Züchtertreffen und Mitgliederversammlung
Im Herbst des vergangenen Jahres führte uns der Weg zum wiederholten Male nach Brandenburg. Das alljährliche Treffen der Mitglieder des Bundesverbandes deutscher Salerszüchter und -halter fand auf Einladung der Züchterkollegen Sabine und Marko Fischer im Landkreis Potsdam-Mittelmark statt. Zunächst trafen wir uns am Donnerstag, 2. Oktober 2025 auf der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreuz.
Dort empfing uns Herr Detlef May, der als Mitbegründer des Instituts für die kaufmännische Koordination zuständig ist. Mit geballtem Fachwissen und mit Herzblut erläuterte er uns die Entstehung, die Aufgaben, die Projekte und die Finanzierung des Instituts. Gerade die Finanzierung muss immer wieder über Projekte mit Partnern gesichert werden. Denn mit Beginn des Jahres 1992 wurde die Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung neu gegründet und wird seit dieser Zeit in der Rechtsform eines eingetragenen Vereines (e.V.) geführt. Im Gegensatz zu anderen Lehr- und Versuchsanstalten ist die LVAT e.V. keine Landeseinrichtung. Somit erfolgt die Finanzierung überwiegend aus dem Zweckbetrieb Landwirtschaft. Es werden aber auch hoheitliche Aufgaben als Dienstleistung für das Land Brandenburg in enger Kooperation mit dem Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) durchgeführt. Dazu zählen Durchführungen von Leistungsprüfungen, praktische Versuche, Demonstrationen landwirtschaftlicher Verfahren und nicht zuletzt die Weiterbildung von Landwirten und landwirtschaftlichen Beratern.
Ein Rundgang über das weitläufige Gelände mit der Station für die Leistungsprüfung bei Fleischrindern, Schafen und Schweinen und den Stallanlagen für Milch- und Mutterkühe sowie für die Schafe rundete den hochinteressanten Besuch ab.
Am Freitagmorgen stand ein Besuch des Werderaner Tannenhofs auf dem Programm. Auf der über 60 Hektar großen Plantage findet sich eine große Auswahl an Tannen in verschiedenen Sorten. Es war zwar noch nicht die Zeit, den Weihnachtsbaum selbst zu sägen und den Weihnachtsmarkt zu genießen, aber wir bekamen Schaufel und Tannensetzlinge in die Hand, um unsere zukünftigen Weihnachtsbäume zu pflanzen. Die gesetzten Bäumchen wurden mit Namensschildern versehen, um sie dann in zehn Jahren als prächtige, individuelle Weihnachtsbäume ernten zu können. Ob das funktioniert? Da werden wir uns wohl noch gedulden müssen. Anschließend erkundeten wir die weitläufige Plantage mit den Tieren, wie Alpakas, Ziegen und Schafen und konnten uns im Hofladen mit allerhand Spezialitäten und Leckereien eindecken.
Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es zur Besichtigung des Betriebs Krüger. Der Betrieb wurde 1992 von Sabines Eltern gegründet, nachdem die LPG aufgelöst worden war. Zunächst wurden schwarzbunte Kälber aufgezogen, aber sehr bald wurde klar, dass man sich auf die Mutterkuhhaltung spezialisieren möchte. Auf 80 Simmentalerkühe folgten 30 tragende Salersfärsen, die 1993 in Frankreich erworben wurden. Diese bildeten die Grundlage des heutigen Salersmutterkuhbestands. Die Krügers hatten sich die Salers ausgesucht, da zuvor Salerskühe als Pensionsvieh auf den Betrieb kamen und sie lernten die Vorzüge der Rasse zu schätzen. Vor allem die Leichtkalbigkeit und die Robustheit.
Heute befinden sich auf dem Betrieb Krüger, den Sabine und Marko 2006 übernommen haben, 200 Mutterkühe, wovon ca. 70% reinrassige Salers sind. Die anderen sind Kreuzungen oder Simmentaler.
Bei vorwiegend sandigen Böden mit 25 Bodenpunkten wird Färsenmast betrieben. Die Färsen bekommen Luzerne- und Grassilage. Die Bullenkälber werden als Absetzer verkauft. Schon vor langer Zeit wird der Betrieb als Biobetrieb geführt. Nicht zuletzt, da die Naturschutzauflagen im Naturpark Westhavelland zum Wohle der Großtrappen eine Bestandsführung ohne Düngung und eine späte Mahd bedingen.
Die Tiere überwintern auf Strohmatten und werden in selbstgebauten Futterwagen mit Silage und Heu versorgt. Die Kalbungen erfolgen von November bis Dezember. Sabine begründet das damit, dass sich gezeigt habe, dass die Kälberverluste bei Kalbezeiten zu Beginn des Winters am geringsten sind. Dann müsse man auf der Hut sein, es kommt zu fünf bis sechs Kalbungen am Tag.
Im Anschluss an die Betriebsvorstellung ging es in die PKWs zur Herdenbesichtigung. Wir sahen sechs Herden, davon eine reine Salersherde mit weiblichen Kälbern. Die anderen, gemischten Herden bestehen aus Fleckvieh- und Salerskühen. Zurzeit werden zwei 2 Salersbullen eingesetzt., ein roter Bulle, gezogen von Mario Fischer und ein schwarzer Bulle, der von der Johlen GbR erworben wurde.
Wir sahen ausgeglichene, stattliche Tiere, die auf den großen Flächen von Sabine souverän angelockt wurden und sich bestens präsentierten.
Ein gemütlicher Abend im ehemaligen Kuhstall, der zu einer gemütlichen Feierstätte umgebaut wurde, rundete den informativen Tag mit vielen Gesprächen ab.
Am nächsten Morgen fanden wir uns im Informationshaus des Fördervereins Großtrappenschutz e. V. in Nennhausen ein. Dort empfing uns Herr Henry Watzke, um uns den Sinn des Schutzes, die Entwicklung und die Aufgabe des Vereins nahebrachte.
Ende der 70er Jahre begann der Schutz der Großtrappe. Sie gilt als der schwerste flugfähige Vogel in Europa und weltweit. Die Großtrappe gehört zur Familie des Kukuks. Die Männchen können ein Gewicht von bis zu 16-17 kg erreichen und sind trotz dieser Masse flugfähig. In Deutschland ist die Art jedoch stark bedroht und kommt nur noch in wenigen Gebieten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt vor. Im Herbst sieht man sie auf Rapsstoppel und auf Brachen, wobei die Männchen und die Weibchen meistens getrennt voneinander leben. Die Art profitiert von der Landwirtschaft, allerdings führten die Monokulturen auf großen Schlägen zu DDR-Zeiten dazu, dass kaum noch Naturbruten hochkamen und der Bestand auf 55 Tiere geschrumpft war. Nach der Wiedervereinigung wurde der Verein gegründet. Mit Fördermitteln und mit Hilfe des Landes Brandenburg wurden mittlerweile 800 ha Land erworben. Dieses wird in Kooperation mit den Landwirten bewirtschaftet und gefährdete Gelege werden ausgenommen, um die erbrüteten Tiere wieder auszuwildern. Das ist nötig, um den Bestand zu stabilisieren, da der Prädatorendruck durch Fuchs, Waschbär und neuerdings auch Marderhund enorm ist. Zum Schutz der Vögel wurden Teile der Flächen umzäunt. Das gesamte Schutzgebiet umfasst mittlerweile 4 Gebiete mit 6000 ha Fläche. Vor dem Schutz profitieren neben den Großtrappen auch andere bedrohte Arten, wie die Feldlärche und der große Brachvogel.
Nachdem Herr Watze alle Fragen des interessierten Publikums hinreichend und engagiert beantwortet waren, führte uns der nächste Programmpunkt zur Agrargenossenschaft Gülpe e G. Dort empfing uns der Geschäftsführer, Herr Vogt. Er erläuterte uns zunächst den Betriebsspiegel. Gegründet wurde die Genossenschaft im Mai 1991.Es werden 1.600 Hektar Landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet. Je zur Hälfte Grün- und Ackerland und davon liegen rund 1000 Hektar in Naturschutzgebieten. Die Qualität der Sand- oder Niedermoorböden liegt bei 20 bis 25 Bodenpunkten. Auf den Ackerflächen werden Roggen, Mais, Gerste und Triticale angebaut. Es werden 40 Mitarbeiter aus der Region beschäftigt, momentan gibt es noch 13 Genossenschaftsmitglieder. Das selbst produzierte Futtermittel geht in die 50 Sauen im geschlossenen System und die 500 Mastschweine, die auf Stroh gehalten werden. Da die Milchproduktion auf den mageren Standorten unrentabel wurde, wurde diese aufgegeben und es werden 200 Mutterkühe gehalten. Die Kälber werden im Betrieb aufgezogen und gemästet. In der eigenen Landfleischerei werden jährlich 100 Rinder und 1100 Schweine zur Direktvermarktung in angeschlossenen Hofläden verarbeitet. Die Schlachtung erfolgt in Perleberg.
Der anschließende Rundgang über das Betriebsgelände zeigte, dass die Haltung in den ehemaligen Milchviehställen nicht ganz optimal, aber dafür kostengünstig ist. Auch die Bewirtschaftung, insbesondere der Niedermoorflächen mit regelmäßigen Überflutungen wäre ohne Fördermittel nicht rentabel.
Mit viel Input und interessanten Ausführungen durch Herrn Vogt ging es zurück in unser Hotel, wo nach dem leckeren Abendessen die Generalversammlung stattfand. Der Vorsitzende, Thomas Johlen, berichtete über Aktivitäten des Vorstands und des Verbands. Ein wesentlicher Punkt war die Messe in Erfurt. Dort fand die Bundesschau „Bundesschau Schwarz-Rot-Gold Robust“ statt. Diese war von Berlin nach Erfurt umgezogen. Aufgrund der Blauzungenkrankheit konnten viele Tiere nicht geschickt werden. Trotz der dadurch bedingten, geringen Tierzahl sind wir beim Publikum gut angekommen. Die Johlen GbR schickte insgesamt 13 Tiere, die Kraft und Bock GbR einen Bullen. Thomas Johlen bekräftigte, dass wir gerade über solche Events unsere Rasse populärer machen können. Die Kosten für die Veranstaltung hielten sich nicht zuletzt wegen des Zuschusses der Rentenbank im Rahmen.
In Krefeld fand im April 2025 die Landesausstellung NRW statt (FHB-Sternstunden). Die Johlen GbR war zusammen mit einem weiteren Züchter mit drei Kühen und einem Bullen vertreten. Im Juli bei der Fleischrinderschau in Tarmstedt war Bern Nolte mit einem Bullen dabei und zur Landestierschau auf der NORLA Messe in Rendsburg schickte Bonke Thun zwei Kühe mit Kalb bei Fuß und eine Färse.
Anlässlich der Fachausstellung in Clermont Ferrand fuhren einige Züchter Anfang Oktober mit eigenen PKWs nach Frankreich. Dort waren schöne Tiere zu sehen. Die Prämierungen und Präsentationen waren beeindruckend. Insgesamt wurden 300 Salers ausgestellt.
Ein weiteres wichtiges Thema bildete die Zukunft der Zuchtwertermittlung. Über SNP-Tests werden immer mehr Merkmale und Erbfehler erfasst. Auch die sog. Gen-Editierung wurde angesprochen, dabei handelt es sich um molekularbiologische Methoden, mit denen die DNA eines Lebewesens gezielt verändert werden können.
In der Versammlung wurde, so wie es den Mitgliedern im Vorfeld mitgeteilt wurde, eine Satzungsänderung verabschiedet. Diese wurde unter anderem notwendig, um die Gemeinnützigkeit zu erhalten.
Wir danken Familie Krüger nochmal herzlich für die hervorragende Organisation des abwechslungsreichen Programms. Das nächste Treffen soll in diesem Jahr Ende August in Baden-Württemberg stattfinden.
Hubertus Johlen
